Josef Quack

Bücher

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Dramatis personae

 


Bemerkungen zum Sprachverständnis von Karl Kraus

Bonn: Bouvier Verlag Herbert Grundmann 1976. 275 S., 20 Euro. ISBN 3-416-01283-6.

Der Satiriker Karl Kraus (1874 – 1936) gilt als einer der hervorragendsten Sprachdenker der ersten Hälfte des 20.Jahrhunderts. Was Kraus selber über sein Verhältnis zur Sprache gesagt hat, wird in diesen "Bemerkungen" zusammengefaßt und kommentiert. Die wichtigsten Deutungen der Sekundärliteratur werden erörtert, einige Linien der Tradition seines Sprachdenkens angedeutet.
Kraus' Sprachverständnis war weder Sprachwissenschaft oder Sprachphilosophie noch eine innersprachlich verfahrende Kulturkritik. Es kann nur im Zusammenhang seiner Satire und Polemik begriffen, am ehesten noch mit einer ethisch argumentierenden Ideologiekritik verglichen werden.
Analyse des Sprachbegriffs eines Satirikers, dessen Werk in einer Zeit der Totalen Kommerzialisierung des Lebens aktueller denn je ist.

Kraus-Buch

Die fragwürdige Identifikation. Studien zur Literatur

Würzburg: Verlag Königshausen & Neumann 1991. 207 S., 19 Euro.
ISBN 3-88479-577-5.

Aufsätze über bedeutende Autoren des Jahrhunderts, von Kafka bis Cioran, von Ernst Jünger bis Alfred Andersch — erzähltheoretische Analysen, thematische Untersuchungen, literaturhistorische Bestimmungen. Kritik der Identifikationstheorie der Lektüre. Studien zum Alexandrinismus der Gegenwartsliteratur. — Übrigens hat E.M. Cioran die hier gegebene Darstellung und Analyse seiner Philosophie mit wenigen Einschränkungen noch selbst gebilligt. Wer sein Denken nicht kennt, kann kaum behaupten, die radikalsten Geister der Zeit zu kennen.

Identifikations-Buch

Künstlerische Selbsterkenntnis

Versuch über E.T.A.Hoffmanns Prinzessin Brambilla

Würzburg: Verlag Königshausen & Neumann 1993. 86 S. 14 Euro.
ISBN 3-88479-809-X.

Interpretation einer der bedeutendsten deutschen Novellen, gelesen im Kontext der rational rekonstruierten Subjektivitätsphilosophie der Epoche.
Identitätssuche als sinnverwirrendes karnevalistisches Verkleidungsspiel, die tiefsten menschlichen Einsichen, gekleidet in umstandslos derbe Fopperei, Erzählkunst in höchster Vollendung — das ist die Signatur dieses Gipfelwerks der deutschen Romantik.
Wer "Prinzessin Brambilla" nicht kennt, kann sich nicht rühmen, die Romantik in ihrer hellsten und witzigsten Spielart zu kennen. Das Prosastück wurde zum Vorbild für die Prosakunst Arno Schmidts.

Hoffmann-Buch
Wolfgang Koeppen. Erzähler der Zeit

Würzburg: Verlag Königshausen & Neumann 1997. 328 S., 35 Euro.
ISBN 3-8260-1379-4.

Kritische Darstellung des Gesamtwerkes von Koeppen, soweit es zu seinen Lebzeiten erschienen ist. Eingehende Analyse der bedeutendsten Romane der Nachkriegsliteratur, Untersuchung der frühen Romane, Beschreibung seiner Reiseberichte, der fragmentarischen Einsätze, Vergleich der erzählerischen Zeitkritik mit der philosophischen und soziologischen Zeitkritik des Nachkriegs. — Im Zentrum steht die Darstellung der Zeiterfahrung, die Unterscheidung von narrativer Zeit, subjektiver Zeiterfahrung, objektiver und historischer Zeitbestimmung.
Die Studie ist als Einspruch gegen die biographiesüchtige Lesemode der Talkshow-Ära konzipiert, die vergessen hat, daß es auf das Werk, nicht auf die Person eines Autors ankommt.

Koeppen-Buch

Die Grenzen des Menschlichen
Über Georges Simenon, Rex Stout, Friedrich Glauser, Graham Greene

Würzburg: Verlag Königshausen & Neumann 2000. 186 S., 30 Euro.
ISBN 3-8260-2014-6.

Simenons Genie der Darstellungskunst, Stouts natürliches Erzähltalent, Glausers Sprachmeisterschaft, Greenes erzählerische Erfindungsgabe, seine singuläre politische Klugheit — aufgezeigt am Beispiel ihrer Detektiv- und Agentenromane, die das Gros der ambitionierten akademischen Literatur ihrer Zeit in den Schatten stellen. Zwischenein ein kritischer Blick auf Dürrenmatts große Detektiverzählungen und seinen unbegründeten, historistisch mißverstandenen Abschied vom Genre.
Würdigung einer Erzählkunst, die nicht ihresgleichen in der Jetztzeit hat, wo die Literatur verödet und die Kritik vielfach in Reklame mutiert ist.

Krimis

Geschichtsroman und Geschichtskritik. Zu Alfred Döblins Wallenstein

Würzburg: Verlag Königshausen & Neumann 2004. 398 S., 39,80 Euro.
ISBN 3-8260-2710-8.

Wallenstein ist Döblins erstes Meisterwerk, einer der sprachmächtigsten Romane der literarischen Moderne, die wir im Deutschen haben, ein episches Werk, aus dem sich einiges über unsere Geschichte, über die Geschichte überhaupt lernen läßt.
Die Arbeit gibt eine genaue Analyse des Romans, sie beschreibt das neuartige Montageverfahren, den geschichtlichen Aspekt und die metahistorische Reflexion des multiperspektivischen, polyphonen Romans. Sie bestimmt im Vergleich mit Salammbô, Krieg und Frieden und R.Huchs Großem Krieg den Ort, den Wallenstein in der Tradition des historischen Romans einnimmt.
Es folgen einige Klarstellungen zur literarischen Gattungstheorie. Schließlich wird überprüft, was Döblin selbst über den Roman gesagt hat und was man aus seiner Poetik, seinem Naturdenken und seiner Geschichtstheorie über das Werk lernen kann. Zuletzt wird der Rang des Werkes in der Reihe der Romane Döblins angegeben.

Über Döblins Wallenstein

Diskurs der Redlichkeit. Döblins Hamlet-Roman

Würzburg: Verlag Königshausen & Neumann 2011. 284 S., 29,80 Euro.
ISBN 978-3-8260-4762-6.

Hamlet oder Die lange Nacht nimmt ein Ende (1956) ist nach Berlin Alexanderplatz der meistgelesene Roman Alfred Döblins, kein psychologischer Roman, wie man oft gemeint hat, sondern ein episches Meisterwerk. Deshalb beschreibt die Arbeit genauestens Erzählstil, Erzählstruktur und Montageform des Werkes. Und deshalb wird der eigentliche Sinn des Werkes erklärt, die existentielle Kategorie der Redlichkeit, die Frage nach der Schuld des Einzelnen an Krieg und Verbrechen, das Problem der Selbstbestimmung, der christliche Aspekt der Handlung.
Erinnert wird an die große Debatte über die Schuldfrage nach dem Krieg, und die literarische Situation der Zeit, zu der Döblin neben Jean Paul Sartre die wesentlichsten Reflexionen beigesteuert hat. Es folgt eine brauchbare Definition des Begriffs der christlichen Dichtung, erläutert an exemplarischen Romanen von Georges Bernanos und Graham Greene. Vor allem aber wird das ebenso heikle wie fundamentale Problem behandelt, ob man selbst in einem religiösen Sinne gläubig sein muß, um eine christliche Dichtung verstehen und würdigen zu können.
Schließlich komme ich auf die Rückkehr Döblins aus dem Exil nach Deutschland und auf die Rezeption seines Hamlet zu sprechen. Hier stellt sich heraus, daß man seine Klage über die mangelnde Anerkennung doch ein wenig relativieren muß. Gewiß hatte er mit der Publikation seiner Spätwerke zunächst kein Glück, sein vielfältiges Wirken als Publizist blieb aber nicht ohne Echo und endlich wurde auch seine überragende Bedeutung als Romancier erkannt und gewürdigt. Sein größter Erfolg war, daß die wichtigsten Schriftsteller der Nachkriegsjahrzehnte von ihm gelernt haben.

Das Schlußkapitel "Döblins Rückkehr" wurde, um einige Kommentare erweitert, in der Zeitschrift Exil, Jg.31. 2011. Nr.1,60-79, vorabgedruckt.

Über Döblins Hamlet-Roman

Wenn das Denken feiert. Philosophische Rezensionen

Frankfurt: Humanities Online 2013. 248 S., 24,80 Euro. ISBN 978-3-941743-29-8.
Der Band ist auch als E-Book erhältlich: www.humanities-online.de

Die philosophischen Aufsäze und Rezensionen dieses Bandes sind Notizen eines philosophisch interessierten Zeitgenossen, der wissen möchte, was die einflußreichsten Philosophen der Gegenwart im Schilde führen. Im ersten Aufsatz wird das falsche Pathos der Meisterdenker ebenso kritisiert wie der Fachjargon, der die ernstesten Dinge verharmlost; bezeichnend dafür ist das Klischee von der "Banalität des Bösen".
Im nächsten Aufsatz geht es um das merkwürdige Phänomen einer Angst vor der Religion, das mit der Angst vor der Metaphysik engstens verwandt ist, eine Einstellung, die in vielen Kreisen der Gegenwartsphilosophie weit verbreitet ist.
Der dritte Aufsatz legt dar, daß eine säkulare Ethik moralische Normen zwar postulieren, aber nicht begründen kann, warum wir verpflichtet sein sollten, uns gemäß diesen Normen zu verhalten.
Der vierte Aufsatz behandelt einige ethnologische Fragen, die philosophisch bedeutsam sind: Aspekte des kulturellen und sprachlichen Relativismus sowie die fragwürdige These von einem prälogischen Denken.
In der Rezension des Wörterbuchs philosophischer Begriffe werden Fehler und Lücken eines weit verbreiteten Handbuchs aufgedeckt. In der nächsten Besprechung wird auf eine der bedeutendsten philosophischen Arbeiten unserer Zeit hingewiesen, W. Künne über Abstrakte Gegenstände, und das Problem erörtert, ob abstrakte Gegenstände in dem Sinne wirklich sind, daß sie kausal wirken. Die Rezension über H. Schnädelbachs kurze Geschichte des Vernunftbegriffs hebt die Bedeutung historischer Übersichten dieser Art für die philosophische Bildung hervor.
In dem Bericht über die aktuelle Diskussion des Leib-Seele-Problems steht die Frage im Mittelpunkt, ob sich die jedermann bekannten Phänomene der geistigen Erfahrung von einem physikalistischen oder materialistischen Standpunkt aus erklären lassen oder ob man gezwungen ist, den Bereich des Seelischen als eigenen Seinsbereich anzuerkennen. Besprochen wird auch ein Hauptbegriff der Philosophie, der Begriff der Substanz, und der Beitrag, den C.F. v. Weizsäcker zur Klärung dieses Begriffs geleistet hat.
Der leitende Gesichtspunkt dieser Aufsätze und Rezensionen ist die Perspektive des gesunden Menschenverstandes. Ich bin der Meinung, daß in philosophisch strittigen Fragen von existentieller Bedeutung die Argumente des gemeinen Menschenverstandes den Ausschlag geben sollten.

Kritische Aufsätze

Zur christlichen Literatur im 20. Jahrhundert. Essay.

Hamburg: Verlag tredition 2014. 144S., 8,49 Euro. ISBN 978-3-8495-7881-7.

Ein kritischer Essay über christliche Literatur, Werke von Alfred Döblin, Georges Bernanos und Graham Greene, allesamt Champions des modernen Romans. Auch eine Untersuchung über Werner Bergengruen, Albrecht Goes, Edzard Schaper, Reinhold Schneider, Poetae minores, die einst einen guten Namen hatten, ein Rückblick auf Heinrich Böll und eine Erinnerung an G.K. Chesterton, Theodor Haecker, Sigismund von Radecki, Essayisten ersten Ranges, die bis heute ohne Nachfolger geblieben sind.
In der Mitte des 20. Jahrhunderts erschienen das Tagebuch eines Landpfarrers, Die Kraft und die Herrlichkeit, Hamlet oder Die lange Nacht nimmt ein Ende. Die Romane zeichneten sich durch zwei ungewöhnliche Merkmale aus: sie waren Meisterwerke ihrer Gattung und sie waren christlich geprägt. Wie ist dieses erstaunliche Phänomen zu beurteilen?
Und wie sollen wir den Großtyrann und das Gericht, das Brandopfer, die Sterbende Kirche und Las Casas vor Karl V. heute einschätzen, unverächtliche Prosawerke zweiten Ranges, die seinerzeit hoch angesehen waren und viel gelesen wurden?
Was ist von den Romanen Heinrich Bölls, die seinerzeit Tagesgespräch waren, lebendig geblieben? Ist es möglich, daß Dichtungen christlich bestimmt und zugleich in literarischer Hinsicht modern sind? Schließen sich moderne Kunst und Christentum nicht aus?
Die heikelste Frage aber lautet, ob man denn die Weltanschauung dieser Autoren teilen muß, um ihre Werke verstehen zu können. Außerdem, was ist heute von den Essays G.K. Chestertons, Theodor Haeckers oder Sigismund von Radeckis zu halten, von theoretischen Schriften, die in intelligenter Form ihren Zeitgenossen die Grundwahrheiten des Christentums zu erklären versuchten? Was sind die Bedingungen, die eine religiöse Sprache erfüllen muß, wenn sie heute verstanden werden soll?
Und schließlich, warum gibt es heute keine christliche Literatur von Rang mehr?
Das sind die Hauptfragen, die in diesem Essay behandelt werden.

Rückblick auf ein Phänomen

Über das authentische Selbstbild. Bemerkungen zum Tagebuch

Hamburg: Verlag tredition 2016. 188 S.
ISBN 978-3-7345-4154-4 (Paperback) 14,90 Euro.
ISBN 978-3-7345-4155-1 (Hardcover) 17,99 Euro.

Dies ist eine Studie über das Tagebuch als literarische Gattung. Zunächst wird der Begriff des echten Tagebuchs vom Begriff des fiktiven Tagebuchs unterschieden, dann wird erläutert, daß man hauptsächlich aus Gründen der Selbstbesinnung ein Tagebuch führt: man möchte sich über seine existentielle und historische Situation Klarheit verschaffen — der letzte Grund dieser Art des Schreibens ist jedoch der Wunsch, die konkrete Zeit gleichsam zu „retten“.
Dem Vorwurf, daß das Tagebuch wesentlich formlos sei, halte ich entgegen, daß es sehr wohl typische Formelemente dieses Genres gibt: Erzählung, Porträt, Essay, Aphorismus, und auf den Einwand, daß es immanente Fehler des Tagebuchs gebe, nämlich Fehler durch Auslassen und Fehler durch Publizität, erwidere ich, daß diese Fehler durchaus vermeidbar sind.
Eingehend erörtere ich die Probleme der Selbstbeschreibung, der persönlichen Identität und der Selbstbeobachtung, Fragen, die sich aus dem monologischen Charakter dieser Gattung ergeben.
Nicht zuletzt bespreche ich das merkwürdige Phänomen der Selbstentfremdung, das Heidegger am genauesten dargestellt hat. Ausführlich behandle ich sein Konzept der Eigentlichkeit und die davon abgeleitete Idee der Authentizität bei Sartre. Die Grundschriften dieser Philosophen sollte man kennen, wenn man jene Ideen verstehen will. Ihre Gedanken zu kennen, ist um so nötiger, als die "Authentizität" inzwischen zu einer sinnentleerten, modischen Phrase geworden ist. Dem stelle ich eine präzise Definition des Begriffs des Authentischen gegenüber, um im folgenden erklären zu können, was authentisch schreiben bedeutet.
Mein Fazit lautet: Ein Tagebuch ist dann vollkommen, wenn es das authentische Selbstbild des Verfassers zeigt. — Abgerundet wird die Studie durch einen Exkurs über das „20. Jahrhundert im Tagebuch“.

Theorie des Tagebuchs

©J.Quack

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