Josef Quack

Erinnerung an Hadayatullah Hübsch




In der heutigen FAZ (6. Jan. 2010) sind zwei Nachrufe auf Hadayatullah Hübsch erschienen, der am Dienstag gestorben ist. Beide Artikel berichten kurz, sachlich und fair über Leben und Werk des Rebellen der 68er Bewegung, der nach einer turbulenten Jugend zum Islam übertrat und in den letzten Jahrzehnten als Prediger eine Respektsperson seines Glaubens, einer spirituellen oder mystischen Richtung des Islam, geworden war. Er war einer der wenigen deutschen muslimischen Konvertiten, die ihre Religion intellektuell zu rechtfertigen versuchten.
In einem Artikel wird erwähnt, daß Hübsch auch in der FAZ veröffentlicht habe. Unerwähnt bleibt, daß Hübsch seine Mitarbeit an der Zeitung nicht aus freien Stücken aufgegeben hat, sondern daß ihn die Zeitung, repräsentiert durch Erich Helmensdorfer, seinerzeit Mitherausgeber und zuständig für den Lokalteil, von der weiteren Mitarbeit ausgeschlossen hatte.
Was den Fall bemerkenswert macht, ist nicht die Tatsache des Ausschlusses, sondern die Begründung. Wie Hübsch mir damals erzählte, habe Helmensdorfer als Grund angegeben, daß Hübsch in einem Aufzug in der Stadt herumlaufe, der mit einer Mitarbeit an der FAZ nicht zu vereinbaren sei, sondern vielmehr dem Ansehen der Zeitung schade. Hübsch trug gewöhnlich ein knielanges Gewand und eine orientalische Kopfbedeckung, die ihn als Muslim zu erkennen gaben.
Hübsch wollte den Rauswurf nicht unwidersprochen hinnehmen, sondern wandte sich brieflich an die anderen Herausgeber; aber keiner von ihnen hat sich für ihn eingesetzt. Nach seiner Darstellung war das ausgrenzende Verhalten Helmensdorfers nichts anderes als eine Form von Fremdenfeindlichkeit. Heute wird Hübschs Tätigkeit von der hessischen Regierung als Beitrag zur Integration anerkannt und gewürdigt.

J.Q. — 6. Jan. 2011

©J.Quack


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